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Mavi Phoenix im Interview

Mavi Phoenix gehört zu den wenigen Acts, die mit dem angestaubten Routine-Pop im deutschsprachigen Raum brechen. Die österreichische Musikerin befindet sich spätestens seit ihrer Young Prophet EP, die Ende März erschien, im Radar zahlreicher Musikmagazine und Blogs. Lob aus dem Ausland gab es diesbezüglich ebenfalls. Und das mit 21 Jahren.

Wir sprachen kürzlich mit Mavi über neues Material, Songwriting und Musikproduktionen aus Amerika.

® LLT-Records

Du warst schwer auf Festivals unterwegs. Festivals sind für die meisten Bands eine Herausforderung, da das Publikum nicht nur aus Fans und Leuten besteht, die deine Musik kennen. Wie sieht diesbezüglich dein Resümee der letzten Monate aus? Wie war die Resonanz?

Man kann es wirklich nicht verallgemeinern. Es war immer voll anders. Es hat Festivals gegeben, wie z.B. das „Watt En Schlick Festival“, das irgendwo im Norden von Deutschland ist. Da hat mich keiner gekannt. Es war trotzdem cool, aber man hat das Publikum gewinnen müssen. Aber so ingesamt war es immer voll gut. Und überraschender Weise hat es immer Leute gegeben, die Songs von mir gekannt haben.

Du hast mit 11 angefangen, Songs mit Garage-Band zu produzieren. Wie hat sich dein Songwriting-Prozess verändert, bzw. wie sieht er heute aus?

Ich überlege viel mehr. Am Anfang war’s halt so: Wenn mir was einfällt, voll cool, wenn nicht dann mach ich halt keinen Song. Und jetzt ist es so, dass mir tausend Sachen einfallen und dann muss ich mich auf eins stürzen. Es gibt so viele Möglichkeiten für Refrains, usw. Ich überlege so viel bei Melodien, wie ich es singe. Und da überlege ich teilweise echt ’ne Stunde lang, was ich mache. Das habe ich früher überhaupt nicht gemacht.

Wir haben Aventura extrem gefeiert, vor allem dieser rückwärts abgespielte Saiten-Instrument-Sound in der Hook und das Solo in der Mitte. Tüftelst du viel an Sounds herum?

Ja voll! Für die EP hab‘ ich quasi mit Alex The Flipper gemeinsam gearbeitet. Aber ich hab‘ immer auch selbst produziert. Meine erste EP habe ich alleine produziert. Wir machen das alles gemeinsam. Ich bin immer im Studio, wenn ein Song passiert, sitze immer daneben und wir machen das echt komplett gemeinsam. Aber beim Song Aventura hat mir das der Alex mal durchgeschickt und da hab ich gesagt, okay das ist perfekt. Aber es wird schon sehr viel getüftelt.

Von Alex the Flipper wirst du ja auch live unterstützt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es da einiges an musikalischen Dingen auszutauschen gibt. Wie stark beeinflusst ihr euch musikalisch gegenseitig?

Es ist witzig, weil privat – wir hören schon die selben Sachen aber teilweise gibt es wieder Sachen wo er sagt, „wie kannst du sowas hören?“, oder wo ich sage, „taugt mir überhaupt nicht“. Aber man beeinflusst sich natürlich voll. Bei seinen Solo-Sachen geht er dann wieder in eine komplett andere Richtung. Ich glaube wir sind beide nicht an ein Genre gebunden, sondern sind einfach riesen Musikfans und Fans von vielen Genres. Schwer zu beantworten.

Gibt es gerade ein Genre in dem du dich gerne aufhältst oder das dich kickt? Etwas das du interessant findest, mit dem du dich gerade befasst?

Am ehesten Pop und Hip-Hop. Wobei das so miteinander verschmilzt. Wenn man nach Amerika schaut, die Popsongs, die jetzt in den Billboard-Charts oder whatever sind, sind meistens Hip-Hop-Songs. Aber ich würde sagen, Pop-Musik hat mich schon immer fasziniert – gute Pop-Musik! Also es gibt einfach Songs auf sich trotzdem jeder einigen kann, aber nicht uncool sind. Und ich glaube, das ist das schwierigste. Einen guten Pop-Song zu machen, der nicht irgendwie used klingt und zu einfach, sondern trotzdem intelligent ist.

Ich habe gelesen, dass du konstant Musik schreibst. Da dürfte es ja nur eine Frage der Zeit sein, wann man neues Material von dir zu hören bekommt. Hast du schon ein paar neue Tracks in petto oder bastelst du sogar gerade an Tracks?

Kann ich beides mit „Ja“ beantworten. Ich bin nach unserem Interview auch auf dem Weg ins Studio. Also es passiert grade viel und vielleicht geht es auf, dass dieses Jahr noch etwas kommt.

In einem Fan-Video auf Youtube habe ich eine Live-Aufhname vom Song „Janet Jackson“ gesehen. Was hat es mit dem Track auf sich?

Den Song gibt es schon seit ein Paar Monaten. Der ist eigentlich so halbwegs fertig. Den spiel‘ ich live seit der Magic Life Tour und er kommt auch immer richtig gut an. Aber ich hab eigentlich noch nicht vor, ihn rauszukicken.

Was darf man erwarten, wenn du jetzt ins Studio gehst? Irgendwelche soundtechnischen Überraschungen?

Ja, soundtechnisch sind auch für mich ein paar Überraschungen dabei. Aber vor allem vom Songwriting her. Auf der Young Prophet EP hat auch kein Song dem anderen geglichen. Ich merk‘ es auch jetzt wieder, dass es mir voll wichtig ist, als Künstlerin, dass jeder Song einfach für sich stehen kann. Dass das ein Universum ist. Dass jeder Song alleine extrem stark sein soll und extrem viele Bilder im Kopf machen soll. So geht die Reise irgendwie weiter. Es lässt sich nicht alles zusammenfassen, aber dann doch wieder. Es sind auf jeden Fall Überraschungen dabei beim neuen Material.

Wir bleiben noch kurz beim Sound. In einem Interview mit dem WDR hast du gesagt, die Klammer für deine Musik sei Pop. Soundtechnisch scheinen aber wenige Grenzen gesetzt. Du bist noch ganz am Anfang deiner Karriere und vieles an musikalischen Veränderungen kann noch kommen. Glaubst du es gibt etwas, ob Sound oder Genre, an das du dich aus Prinzip nicht rantrauen würdest?

Ich glaube nicht. Ich glaube wirklich nicht (lacht). Naja, es kommt drauf an. Es gibt Sounds, die einfach extrem cheesy klingen. Das kann scheiße sein. Aber es gibt auch Sachen die cheesy klingen und – man würde es nicht glauben an welche Sachen ich mich schon gewagt habe – die dann meistens eh nichts geworden sind. Beats die echt irgendwie arg klingen. Es muss einfach das gewisse Gefühl da sein, dass das trotzdem was fettes werden kann. Das war bei „Love Longtime“ genau dasselbe. Das Piano klingt einfach extrem kitschig. Aber es hat einfach irgendwas. Als Artist muss man das einfach spüren, wenn der Song schreit, aus mir könnte echt was werden. Und ich glaube das Gespür habe ich auf jeden Fall. Also sind dann da auch wenig Grenzen.

Das hat dann zusammenfassend viel mit Timing und der richtigen Inszenierung von Sound zu tun oder?

Auf jeden Fall!

Gott sei Dank gibt es ein paar wenige KünstlerInnen und Bands aus Deutschland und Österreich, die den Coolness-Faktor von Musik aus deutschsprachigen Landen anheben. Was macht deiner Meinung nach Musik aus deutschsprachigen Gefilden – mit wenigen Ausnahmen – schon seit Jahren generell falsch? Bzw. wo liegt der Unterschied zu amerikanischen Musik-Produktionen?

Ich glaub‘ es ist auf jeden Fall – in Österreich kann ich das beurteilen – besser geworden, dass sich Künstler dort einfach trauen. Das Problem war vor allem – find ich – bei englischsprachigen Acts aus Österreich oder Deutschland, dass die so extrem versucht haben, wie die Nummer-Eins-Hits zu klingen, ein bisschen. Aber sie schaffen es nicht gut, weil Sie keine Ammis sind. Es gehört halt einfach mehr dazu. Ich glaube, es ist einfach so wichtig, dass man anders … nicht gezwungen anders, aber wirklich so blöd es klingt, man selbst ist. Das ist so viel wichtiger als den meisten bewusst ist. Und viele Künstler, die ich persönlich kenne, trauen sich gar nicht über die Frage drüber: „Taugt mir das eigentlich selber wirklich?“, weil sie sich selbst einfach nicht gut kennen. Das fängt einfach schon bei ganz psychologischen, persönlichen Geschichten an: Dass man ein guter Artist ist, wovon ich überzeugt bin. Und man muss so bedingungslos sich selbst kennen und wissen, was man macht. Ich hab‘ das Gefühl, in Deutschland und Österreich ist es teilweise verkrampft, dass man „cool“ sein muss. Die Leute sind in ihrer eigenen „Coolheit“ gefangen. Und man traut sich nicht, vielleicht uncool zu sein, dafür aber man selbst. Das kann ich so beurteilen.

Ace Tee ging ja mit „Bist du Down“ in den Staaten viral. Bei dir ist das Lob aus englischsprachigen Gefilden nun auch nicht gerade klein ausgefallen. Kann Rap, bzw. Hip-Hop aus Deutschland oder Österreich deiner Meinung nach das Potenzial haben, längerfristig international etwas zu reißen oder sind das wie bei Ace Tee nur kurzzeitige Randerscheinungen?

Das versuch‘ ich herauszufinden. Aber ich bin der Meinung, dass es auf jeden Fall funktionieren kann. Aber man muss dafür einfach der richtige Act sein und ich glaube, dass ich das z.B. schaffen könnte. Ich weiß, dass ich das schaffen kann und werde! Aber es ist mega schwierig. Der internationale Markt … Es wartet halt keiner in Amerika auf mich oder auf irgendwen anders aus Deutschland und Österreich. Aber das ist genau das, was ich gerade herausfinden möchte.

Dann hoffen wir, dass du angstfrei bleibst und das raushaust, was du möchtest. Wie sehen deine Pläne für den Rest des Jahres aus?

In erster Linie viele Songs machen, viel neues Material machen und Shows spielen. Ich spiele auch in Italien im Oktober oder November und in Paris. Und schauen, dass wir noch einen Song rauskicken dieses Jahr. Das wäre cool!

Deine UR-Trackempfehlung:

Da muss ich mal schauen, was ich so höre (dursucht ihre Spotify-Playlists). Am meisten gerade sehe ich auf Spotify, ist Frank Ocean. Frank Ocean – Biking (Solo).

Großes Dankeschön! Wir hoffen, dass wir dich bald mal live in Würzburg oder Umgebung erleben dürfen.

Ich habe zu danken! Ich sage euch bescheid!

-Interview by Jan Limpert –

Mehr zu Mavi Phoenix findet ihr hier:

Warum ihr Mavi Phoenix auf dem Schirm haben solltet