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Akua Naru über Musik, Heimat und Politik

Akua Naru über Musik, Heimat und Politik

Frauen und Soul? Ein Klassiker. Frauen und Rap? Bis heute nicht der Normalfall. Frauen, Rap und Soul? Mangelware. Akua Naru vereint beide Genre mit genug Skills, um Fans von J Dilla sowie Nina Simone gleichermaßen zu beeindrucken. Klar, dass wir eine solche Musikerin zum Interview bitten mussten. Im Backstage-Bereich des Cairo treffen wir auf eine Frau, die in Hoodie und einen Khaki-Parker gehüllt, regungslos auf einer schwarzen Ledercouch sitzt. Lediglich ihre Sonnenbrille sticht aus ihrer Kapuze heraus. Optisch wirkt das Ganze ein wenig einschüchternd. Im Interview zeigt sich jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist. Akua ist voll da, auf den Punkt genau und sehr reflektiert. Zwar spricht sie sehr leise und mit zaghaft, hauchiger Stimme, bleibt jedoch stets im Tonfall bestimmt. Ihre Antworten kommen präzise. Allgemeingültige Aussagen lehnt sie eher ab und teilt immer wieder mit, dass es sich hierbei um ihre persönliche Meinung handelt. Aber das wollen wir ja auch nicht anders: Ihre eigene Sicht der Dinge, auch dann, wenn es beim Reden über Musik um politische Themen geht.

©Daniel Ziegert

Sie haben 2015 auf dem Umsonst&Draußen-Festival gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an den Auftritt?

Ich erinnere mich, dass das Publikum verrückt war. Die Stimmung fühlte sich sehr gut an. Es war eine gute Show.

Sie leben seit geraumer Zeit in Köln. Hören sie sich Musik aus Deutschland an?

Ich höre mir Musik von überall her an, wenn ich Sie mag. Ich mag z.B. Megaloh, verstehe aber die deutsche Sprache nicht. Als Texterin höre ich zuerst auf die Lyrics. Ich weiß allerdings nicht, was da genau gesungen wird. Deshalb ist es schwierig für mich, in diese Musik reinzukommen. Aber ich mag Megaloh’s Album „Regenmacher“. Während meiner Zeit hier habe ich schon deutsche Musik gehört.

Sehen Sie Unterschiede zwischen Musik aus Deutschland, der USA oder Großbritannien?

Natürlich! Es sind verschiedene Länder mit unterschiedlichen Kulturen und Geschichten. Das alles formt den Zustand, in dem sich die Leute dort befinden. Deshalb wird die Musik auch so niemals überall exakt gleich sein. Aus diesem Grund hat Gott die Menschen erschaffen, damit die Dinge unterschiedlich sein können.

Wie wichtig ist es in Anbetracht der aktuellen politischen Ereignisse als Musiker politisch zu sein?

Alles ist politisch. Egal, ob man das akzeptiert oder nicht. Alles kann politisiert werden. Sogar dieser Moment gerade, dieses Interview. Nina Simone hat gesagt, dass Künstler die Zeit reflektieren sollten. Ich stimme dem zu. Aber was auch immer man hört – selbst ein Song über Liebe – ist eine Reflexion unserer Selbst. Aufgrund meiner Person und den Dingen, die mir wichtig sind, reflektiert meine Musik gewisse Sachen. Das ist das schöne an der Vielfalt. Es gibt immer Menschen, die über bestimmte Dinge sprechen. Darauf können wir uns verlassen und das ist großartig. Es gibt Zeiten, in denen du in einer Stimmung bist, wo du dich selbst beschützen möchtest oder rausgehst und eine gute Zeit haben willst. Für diese Zustände gibt es auch Musik. Für jeden ist etwas dabei.

Halten Sie Musik für eine potenzielle Waffe, um etwas zu verändern?

Ich denke, Musik ist sehr machtvoll. Sie kann Menschen auf Arten verbinden, die sehr wichtig sind. Das erste Mal als man einen Song gehört hat und dieser irgendetwas geändert hat. Das halte ich für etwas kraftvolles.

Gerade aufgrund der Flüchtlingskrise wird diskutiert, was Heimat bedeutet. Gibt es für Sie eine Art musikalische Heimat?

Ich kann ja nur für mich persönlich sprechen. Heimat ist für mich, wo mein Herz ist, wo meine Mutter ist sowie z.B. das Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Natürlich gibt es auch entsprechende Songs. Wenn man sich z.B. „Summertime“ von Will Smith anhört, transportiert es etwas bestimmtes. Der Song kann bestimmte Gefühle auslösen, Erinnerungen zurückbringen. Der Song, der den Moment umhüllt hat, als man sich zum ersten Mal verliebt hat, als man den Partner traf. Die Dinge, die man zusammen erlebt hat. Der Song wurde vielleicht sogar zum Lieblingssong des Partners. Musik hat die Kraft, all das zu bewirken.

Also ist Musik eine Art Erinnerungsstück?

Ich denke, Musik ist Vieles. Kunst hat diese Kraft. Kunst ist ein Erinnerungsstück und nicht bloß Musik, Performance, visuelle Kunst. Ich meine wirklich Kunst, die menschliche Kapazität, etwas zu erschaffen, das uns daran erinnert, was es heißt Mensch zu sein. Das ist etwas sehr kraftvolles, ungeachtet der Frage, ob Musik Kunst ist oder nicht.

Wie schreiben Sie ihre Texte? Passiert das aus einem Freestyle heraus oder konstruieren Sie nach Plan?

Ganz ehrlich, das ist bei jedem Song anders. Jeder Moment war anders. Es ist also schwer, das zu sagen. Aber es kommt darauf an. Ich habe immer ein Aufnahmegerät dabei. Manchmal kommen Ideen einfach so in meinen Kopf und ich weiß, dass ich sie weiterentwickeln muss, aber nicht die Zeit habe. Manchmal setze ich mich hin und arbeite, schreibe dann stundenlang in mein Notizbuch. Manchmal kommt es einfach so in den Proben und mündet in einem Freestyle. Jeder Song hat seine eigene Geschichte.

Ihre UR-Trackempfehlung:

Anderson Paak, feat. BJ The Chicago Kid – The Waters.

Nachdem das Aufnahmegerät ausgeschaltet war, unterhielten wir uns mit Akua Naru noch etwas über ihre Lieblingssongs sowie das aktuelle Album von Karriem Riggins, das sie bis dato noch nicht kannte.

-Interview und Übersetzung Jan Limpert-