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Warum ihr Mavi Phoenix auf dem Schirm haben solltet

® Lukas Gansterer
Mavi Phoenix ziert das Cover ihrer EP „Young Prohpet“

Nebst Wanda und Bilderbuch, die einen regelrechten Umschwung in der Sichtweise auf österreichische Popmusik verursachten, wandert der Blick auf weitere aufstrebende KünstlerInnen und Bands. Frei nach dem Motto: Was ist der nächste große Wurf aus dem Staat des Wiener Schnitzels und Falco? Obwohl Vorhersagen, die Musikszene betreffend, genauso verlässlich sind wie der Wetterbericht oder die Wahlprognosen des statistischen Bundesamts, sollte man auf all diejenigen hinweisen, die Musik liefern, welche interessant genug klingt, um in Zukunft zu etwas Bedeutendem zu avancieren. Denn austauschbar Unbedeutendes wird Dank der deutschen Industriemusik – wie es Jan Böhmermann jüngst auf den Punkt gebracht hat – im Überfluss nachproduziert. Also blicken wir mal nicht für inspirierende Sounds über den großen Teich, sondern direkt nach Österreich, genauer nach Wien. An diesem Ort ist man ganz nah bei den eben erwähnten Wanda und Bilderbuch. Dort lebt auch Mavi Phoenix, eine Musikerin, die entgegen des ausgebrochenen Hypes um Mundart, auf Englisch rappt. Gemanagt wird sie von Christoph Klegel, der auch Bilderbuch zur Seite steht. Sie stand außerdem schon mit der Band auf der Bühne. Zunächst, um den Rap-Part in „Softdrink“ zu übernehmen, aktuell, um die vier Jungs auf Tournee zu supporten.

 

Kanye statt Kollegah 

Mavi Phoenix macht Musik jenseits deutscher Konvention, sprich viel Collage und Kombination extremer Klänge. Derartig Unkonventionelles wünscht man sich von den Massen an 0815-Bands und KünstlerInnen. Mavi Phoenix klingt nicht nach Industrieproduktion. Die Vergleichsinstanzen befinden sich – zum Glück – außerhalb des deutschsprachigen Raumes. Die Klangreferenz lautet daher: Kanye statt Kollegah. Somit wäre der qualitative Rahmen, in dem sich ihre Musik bewegt abgesteckt.

Mavi Phoenix‘ Musik klingt nicht überproduziert und festgefahren, sondern jung, eben wie die 21 Jährige selbst. Noch klebt kein Stempel auf ihren Tracks, maximal der, Potenzial zu beinhalten. Genau diese Unbestimmtheit macht den Reiz aus, etwas in Mavi Phoenix‘ Musik zu sehen. Ihre Ende März erschienene EP „Young Prophet“ trägt in diesem Zusammenhang einen fast schon ironischen Titel. Denn niemand kann wohl mit Bestimmtheit prophezeien, worauf ihre Tracks musikalisch in Zukunft hinweisen. Genug gelobt. Um nun nicht weiter in schleimig bunte Floskeln und Umschreibungen zu verfallen, wenden wir uns der Musik ihrer EP  zu.

Aventura

Insgesamt 5 Tracks beherbergt die Platte, von denen Track Numero Uno deutlich heraus sticht. Nicht, weil „Aventura“ irgendwie „besser“ klingt als der Rest, sondern weil er wesentlich exotischere Elemente aufweist.

Allein schon die gesampelte Ethno-Sprech-Klatsch-Sequenz zu Beginn des Songs lässt einen hellhörig werden. Da ist sehr viel Collage präsent: Ein stilvoller Mix aus fettem Konserven-Beat und afrikanischem Sprechgesang. Die Elemente verschmelzen sehr harmonisch miteinander und bilden das Fundament des Songs. Dazu Einwürfe spanischer Phrasen-Fetzen: „I ain’t changing my ways, lo siento, I don’t give a … what they say[…]“, „They know I’m an Aventura, De nada, They say that nobody truer, de nada[…]“, „You’re a little bit too late, Better come my way, Mi casa su casa I say, mi casa su casa no way“. Das Ganze wirkt, als ginge es mehr um den Klang der Lines als um den konkreten Text-Inhalt. Der Gesang deckt sich mit der unruhigen, Tremolo gepickten Melodielienie ab dem Pre-Chorus. Diese klingt, als wäre sie auf irgendeinem traditionellen Saiteninstrument gespielt. Dem ganzen setzt das Solo dann die Krone auf. Vom spanisch anmutenden E-Gitarren-Lauf wird hier in ein orientalisches Saiten-Instrument geswitched. Klangliche und textliche Flair-Verschmelzung über Ländergrenzen hinweg! Auffallend ist auch Mavis Rap-Feel. Ihre Lines bewegen sich bei „Aventura“ immer einen Tick hinter dem Beat. Besonders deutlich wird das im Chorus. Dieses leichte Hinterherhinken bringt eine gewisse Frische mit sich und verleiht dem Track Leichtigkeit.

Mit „Young Prophet“ und vor allem „Aventura“ beweist Mavi Phoenix in jedem Fall Skills. Da steigt die Neugier auf mehr Material der österreichischen Rapperin. Bleibt nur abzuwarten, wann und mit welchen Sounds Mavi Phoenix ihr Debut-Album droppen und sich (noch mehr) Gehör verschaffen wird.

-Jan Limpert-